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Pfeiffers Corona-Alltagsheldinnen und -helden: #3 Pflegehelfer Demenzzentrum Hedwig-Pfeiffer-Haus

Pflegehelfer im Demenzzentrum der Pfeifferschen Stiftungen
Enrico Schaefer und Carola Hollburg unterstützen als Pflegehelfer die examinierten Pflegekräfte im Hedwig-Pfeiffer-Haus, das Senioren mit Demenz in zwei Wohngemeinschaften ein Zuhause und liebevoll-professionelle Pflege gibt. Foto: Matthias Piekacz

„Und plötzlich kam keiner mehr“


Die generellen Besuchsverbote für Pflegeheime sind inzwischen aufgehoben. Was bleibt, ist die schmerzliche Erkenntnis: Heimbewohner leiden unter sozialer Isolation. Viel mehr noch gilt das für Menschen mit Demenz. Dass die Kontaktbeschränkungen in Zeiten von Corona auch für Pflegende schwierige Gratwanderungen sind, davon berichten Enrico Schaefer und Carola Hollburg.

Beide arbeiten als Pflegehelfer im „Hedwig-Pfeiffer-Haus“. 2004 eröffneten die Pfeifferschen Stiftungen das Gebäude in der Stresemannstraße als Pflegeeinrichtung speziell für Demenzkranke. Carola Hollburg und Enrico Schaefer sind im Wohnbereich 1 eingesetzt. Hier leben Bewohner im späten Stadium der Demenz, die bettlägerig und auf ständige Pflege angewiesen sind.

Menschen mit Demenz verlieren nach und nach ihre Fähigkeit zu kommunizieren. Umso wichtiger werden Botschaften, die auch ohne Worte ankommen. Carola Hollburg reichen meist Mimik und Gestik für die Kommunikation mit ihren Bewohnern: „Ich freue mich über jedes kleine Lächeln. Dann weiß ich: Hast alles richtig gemacht.“

Wie aber erklärt man Demenzkranken Corona? Im Wohnbereich 1 schlicht unmöglich. Wie erklärt man, dass es plötzlich ihrem Schutz dient Abstand zu halten? Dass von Menschen mit Maske keine Bedrohung ausgeht? „Wir reden anders mit Mundschutz. Die Bewohner sehen von uns kein Lächeln mehr, nur noch die Augen.“ Was sie dabei denken mögen? „Man weiß ja nie, was sie erlebt haben.“

„Auf jeden Fall war das Besuchsverbot für alle eine echte Herausforderung. Für Bewohner, Personal und Besucher.“ Die fehlende Nähe – über Wochen und Monate – zermürbt viele Angehörige. „Nicht wirklich zu wissen, wie geht es meiner Mutter oder meinem Vater. Wenn man ohnehin nicht weiß, wie lange man sich noch sehen kann.“

„Die Nähe ist das, was zählt"

Die Kolleginnen und Kollegen im Pflege-Team machen möglich, was möglich ist. Zu jeder Zeit und Stunde können Angehörige anrufen und sich erkundigen. Sie gestatten „Fensterbesuche“ – für ein Lächeln oder eine aufmunternde Geste mit ausreichend Abstand. „Zu sehen, wie die Tochter draußen steht und weint, weil sie ihren Vater ewig nicht gesehen hat, das zerreißt einem das Herz“, sagt Carola Hollburg. Dennoch sei das Verständnis bei den Angehörigen groß gewesen.

Viele Demenzkranke merken es sehr wohl, wenn ansonsten regelmäßiger Besuch ausbleibt. Wenn sich Routinen und Rituale ändern. Vertraute Gesichter fehlen. Und selbst im fortgeschrittensten Stadium bleibt eines erhalten: das Bedürfnis nach Nähe und Berührung. Ein Bedürfnis, das nicht gebunden ist an Familienangehörige. Menschen mit schwerster Demenz erkennen sie nicht mehr und vermissen ihre Nächsten deshalb auch nicht. Wohl aber die körperliche Ansprache, die Wärme einer Umarmung.

Diesen Verlust können mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattete Pflegekräfte nur schwer kompensieren. „Wir haben das Bestmögliche versucht den Bewohnern Wärme und Zuneigung zu geben“, sagt Carola Hollburg. „So wie wir es sonst auch tun.“ Und – mit Nachdruck: „Die brauchen das einfach!“

Manchmal ist alles Engagement vergebens. Enrico Schaefer berichtet von einer Bewohnerin, die stets sehr häufig Besuch und Zuwendung empfing. „Von ihrem Mann, den Töchtern, dann kam die Fußpflege, der Frisör. Und plötzlich kam keiner mehr. Wir haben gesehen, wie sie immer gewartet hat, wie sie dann Stück für Stück abbaute. Nichts mehr essen und trinken wollte. Das ist doch furchtbar.“

Essen und Trinken verweigern – das sei die letzte Entscheidung, die Menschen mit Demenz noch allein treffen könnten. „Auf der anderen Seite haben wir alle 30 Bewohner vor einer Infektion schützen müssen.“ Harte Entscheidungen seien das gewesen – nie gerecht. Alle Betreiber und Mitarbeitenden in Pflegeheimen sind auch jetzt noch mit diesem ethischen Dilemma konfrontiert: Wie lässt sich eine Balance herstellen zwischen dem Schutz der ihnen anvertrauten Menschen und deren Wunsch nach Kontakt und einem Gefühl des Geborgenseins? Wann geht von der Isolation eine größere Gefahr für das Wohlbefinden aus als von dem Risiko sich zu infizieren?

Täglicher Spagat zwischen Schutz und Freiheit

Dieser tägliche Spagat und das Umsetzen der noch immer strengen Besuchsregelungen fordern von den Pflegenden zusätzliche Kraft und Disziplin. Dennoch: „Wenn man das Virus einmal im Haus hat …“ Enrico Schaefer denkt an eine Freundin, die in einem bayerischen Pflegeheim arbeitet. Allein hier habe es 25 Corona-Todesfälle gegeben.

Die Sorge, das Virus ahnungslos hereinzutragen, belastet. Einen Bewohner anzustecken, das Leben derjenigen zu gefährden, die das Pflegeheim zu schützen verpflichtet ist – das wiege weit schwerer als selbst zu erkranken, sagt Carola Hollburg. „Die Bewohner zählen.“

Gestärkt habe sie der Zusammenhalt unter den Kollegen. Auch das mache ihr Haus aus. „Unser Team ist mit Freude und Liebe dabei, die Leute zu schützen und alles zu geben. Außerdem haben wir eine super Chefin, die immer hinter uns steht.“ Ob mit oder ohne Corona: „Einfach ist der Beruf sicherlich nicht. Man macht ihn auch nicht des Geldes wegen“, meint Enrico Schaefer zum Abschluss. „Das ist nicht nur Arbeit. Du musst Spaß daran haben, sonst bist Du hier verkehrt.“

Mehr über das Demenz-Zentrum erfahren Sie auf der Webseite des Hedwig-Pfeiffer-Hauses.

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