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Bewegung tut dem Herzen gut

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Sportmuffel haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber unser wichtigster Muskel scheint auch eine Überdosis an Training schlecht zu vertragen. Ein moderates Maß ist das Optimum, so raten es die Experten an.

Unsere genetische Ausstattung wurde zu einer Zeit geprägt, als Agilität zu den zentralen Überlebensstrategien zählte: Stets waren unsere Vorfahren auf dem Sprung, um Beute zu jagen und vor Gefahren zu fliehen. Mit der zivilisatorischen Entwicklung hin zu einfacher Nahrungsbeschaffung, bequemen Fortbewegungs- und Arbeitsmitteln sowie inzwischen auch den Folgen unserer digitalisierten Welt kann unser genetisch-physiologisches Programm nicht mithalten. In der Tat bestätigen wissenschaftliche Untersuchungen seit Jahrzehnten die negativen Folgen von Bewegungsmangel, die sich in Form erhöhter Erkrankungsraten und vorzeitigem Tod äußern.

Am Anfang stand 1953 der Befund, dass Londoner Busfahrer doppelt so häufig an Herz-Kreislauf-Leiden starben wie die mobileren Fahrkarten-Kontrolleure. Seither haben die Zusammenhänge zwischen Bewegung, Erkrankungsrisiken und Lebensspanne zunehmend an Kontur gewonnen.

Herz ist Trumpf. Rund drei Milliarden Mal kann es im Laufe eines Menschenlebens schlagen und dabei etwa 250 Millionen Liter Blut durch den Körper pumpen – eine unglaubliche Leistung, mit der kein Motor so schnell mithalten kann. Umso schlimmer ist es für den menschlichen Körper, wenn unser wichtigster Muskel krank wird und an Leistungsfähigkeit verliert. Das kommt häufiger vor, als man denkt. Mit den Chips auf der Couch und dem Auto zum Bäcker: Fünf Millionen Menschen sterben jährlich weltweit, weil sie sich zu wenig bewegen, Frauen sind gefährdeter als Männer. So das Fazit zweier Studien 2014 im Medizinjournal „The Lancet”. Inaktivität verursacht demnach sechs Prozent der Fälle von koronarer Herzkrankheit, sieben Prozent der Typ-2-Diabetes- Erkrankungen sowie zehn Prozent der Brust- und Dickdarmkrebsfälle. Die Angaben der Wissenschaftler basieren auf Schätzungen, wie sehr sich verschiedene Risikofaktoren auf die Lebenserwartung auswirken.

Moderate Bewegung in einer moderaten Zeit jeden Tag

An dieser Stelle sei eine Anekdote am Rande erlaubt: Sir Winston Churchill lebte ein langes Leben. Er war passionierter Zigarrenraucher, dem Whisky nicht abgeneigt, und auf die Frage eines Reporters zu seinem 90. Geburtstag, wie er denn sein hohes Alter erreicht habe, war seine Antwort einfach und provokant: „No sports.” Abgesehen davon, dass der berühmte britische Staatsmann flunkerte und sehr wohl sportlich aktiv war, gilt die These von der ungesunden Bewegung ja nun als hinreichend widerlegt.

Während man früher der Meinung war, dass sich Herzkranke körperlich nicht übermäßig belasten sollten, wissen Kardiologen heute, dass die Effekte eines individuell an den Patienten angepassten körperlichen Trainings gleich groß sind oder sogar noch besser ausfallen können als die einer alleinigen medikamentösen Therapie. „Voraussetzung für jeden Herzpatienten, der körperlich trainieren möchte, ist eine Untersuchung auf dem Ergometer, um seine submaximale Belastbarkeit zu ermitteln”, sagt Dr. Jochen Molling, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie im Klinikum in den Pfeifferschen Stiftungen. „Dadurch lassen sich die optimale Dauer und Intensität für einen individuell zugeschnittenen Trainingsplan bestimmen und unerwünschte kardiale Ereignisse aufgrund zu starker Belastungen ausschließen”, so der Chefarzt weiter.

Die zurzeit wohl beste Empfehlung für Patienten ist eine Absage ans Extreme: moderate Bewegung in einer moderaten Zeit jeden Tag. „Wie viel Sport für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen optimal ist, ist anhand der heute vorliegenden Datenlage noch nicht eindeutig zu beantworten”, sagt Kardiologe Molling. „Wir empfehlen unseren Patienten eine halbe Stunde mäßig anstrengende Bewegung pro Tag. Das Hauptproblem ist, dass die meisten sich weniger bewegen.” 

Stabilen Herzpatienten etwa mit Herzinsuffizienz oder einer koronaren Herzerkrankung werde geraten, mit mittlerer Intensität zu trainieren – das heißt, dass sie sich während des Trainings jederzeit gut unterhalten können, ohne kurzatmig zu werden. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie Laufen, Nordic Walking oder Radfahren (siehe Infokasten unten). Sport kann und soll bestimmte notwendige Medikamente natürlich nicht ersetzen. Andererseits gibt es kaum eine andere Therapieform, die die Lebensqualität der Patienten so positiv beeinflusst. „Regelmäßiges körperliches Training hat nachweislich positive Effekte auf die Lebensqualität der Patienten: Sie haben weniger Herzbeschwerden, fühlen sich daher besser und sind demzufolge auch leistungsfähiger”, erklärt Dr. Molling. „Außerdem verbessern sich ihre Überlebenschancen: Die Wahrscheinlichkeit, an der zugrundeliegenden Herzerkrankung zu sterben, kann bei aktiven Patienten deutlich sinken. Ursache ist, dass körperliche Bewegung das Gefäßsystem deutlich verbessert. Zum Beispiel kann dann die Innenwand der Blutgefäße, das sogenannte Gefäßendothel, unter anderem auch wieder gefäßerweiternde Substanzen wie das Stickstoffmonoxid bilden – eine Fähigkeit, die bei Gefäßerkrankungen wie der Arteriosklerose zusehends verloren geht. Dies wiederum verbessert nicht nur die Durchblutung einzelner Organe und die Blutdruckwerte der Patienten, sondern auch die gesamte Funktion des Herz-Kreislaufsystems, das den Betroffenen merklich zu Gute kommt.”
Inzwischen gibt es fast überall in Deutschland sogenannte Herzsportgruppen, in denen Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten oder unter einer anderen schweren Herzerkrankung leiden, unter ärztlicher Aufsicht trainieren. Je nach Krankheitsbild wird die Teilnahme von den gesetzlichen Krankenkassen finanziell gefördert.

♣ Herzsport bieten auch die Pfeifferschen Stiftungen an. Ein bis zwei Mal in der Woche trifft sich die Gruppe. Weitere Informationen gibt es in der Physiotherapie im Klinikum. Telefon: 0391 / 8505-9700.
E-Mail: physiotherapie@pfeiffersche-stiftungen.org 

Welche Sportarten empfehlenswert sind

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Ballspiele sollten vermieden werden. Ausdauertrainung mit niedriger Intensität

Nicht jede Sportart ist für Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit empfehlenswert. Eher ungeeignet ist etwa Sport, bei dem ein Ball im Spiel ist wie etwa Fußball, Handball, Squash, Badminton oder Tennis. Denn bei Ballsportarten erwacht schnell der Ehrgeiz, den Ball unbedingt noch erreichen zu wollen, wofür oft ein hoher Krafteinsatz erforderlich ist und als Folge Überlastungen des Herzmuskels auftreten können.
Deutlich geeigneter sind dagegen Ausdauersportarten, die sich problemlos mit niedriger Intensität durchführen lassen, wie Joggen, Radfahren, Schwimmen, Rudern, Wandern, Walken bzw. flottes Gehen oder Skilanglauf. Aber bitte dann nicht zu viel des Guten! Wichtig: Bei Ausdauersportarten sollte am Ende der Trainingseinheit kein Endspurt erfolgen. Zwar ist es für viele verlockend, etwa beim Joggen auf den letzten 400 Metern noch einmal richtig aufzudrehen, doch mit solchen Maximal-Belastungen steigt die Gefahr, das Herz zu überlasten ... Zudem sollten intensive Belastungen eine Trainingseinheit nicht beenden.
Deutlich empfehlenswerter ist es dann, gemütlich auszulaufen, was die Regeneration der Muskulatur unterstützen kann. Tipp 1: Wer regelmäßig mit dem Bus oder der Straßenbahn nach Hause fährt, kann jeden zweiten Tag ein, zwei Stationen früher aussteigen und den Rest zu Fuß nach Hause gehen. Das lässt sich völlig unkompliziert in den Tagesablauf einbauen, ohne dass dafür eine aufwendige Sportausrüstung erforderlich ist. Man braucht lediglich geeignete Schuhe, in denen einem die Füße nicht schon nach 100 Metern weh tun. Das Tragen von Arbeitskleidung oder auch die Aktentasche unter dem Arm stellen dabei kein Problem dar.
Tipp 2: Abends einfach noch einmal eine halbe Stunde rausgehen und dabei dreimal das Tempo für jeweils fünf Minuten so steigern, dass die Nachbarn sagen würden: „Der hat es aber heute eilig.” Erstaunlicherweise werden solche Intervallbelastungen oft als weniger anstrengend empfunden als Ausdauerbelastungen gleicher Dauer.
Wichtig: Während der höheren Belastungen eines Intervalltrainings sollte darauf geachtet werden, dass der Puls nicht zu stark ansteigt beziehungsweise Pulsgrenzen, die Ihr Arzt gegebenenfalls für Sie ermittelt hat, nicht überschritten werden.

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