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Nähe zur Praxis liefert neue Impulse

Ein Jahr Palliativ- und Hospizakademie der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg

Der Tod ist kein Ersatz für das vielleicht mühsame Sterben. Wer das nicht achtet, hat auch keinen Respekt vor dem Leben, dessen Teil es ist. Auch wenn sich Körper und sogar Geist verabschieden, ist da immer noch eine unglaubliche Kraft. Das wissen alle, die Sterbende begleitet haben. Was wir bewahren sollten, ist das, was hinter begleitender Zuwendung steht, wenn Menschen füreinander da sind.
Früher lehrte die Kirche die „Kunst des Sterbens“, „ars moriendi“. Ein Prozess mit genau definierten Stadien, in die der Gläubige um des Seelenheils willen bewusst eintreten sollte. Die Deutungshoheit über das Lebensende ging in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem medizinischen Fortschritt im Wesentlichen auf die Ärzte über. Die Hospiz- und Palliativbewegung entstand als Reaktion auf den Autoritätsverlust einer technisierten Medizin, die diese Antworten schuldig bleibt. Heute sind wir auf dem Weg in die Multiprofessionalität. In der Palliativversorgung arbeiten Pflegende, Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Seelsorger zusammen, in bestimmten Situationen auch Juristen oder Ethiker.

Außerhalb von Hospizen und Palliativstationen sind die Prinzipien und Kenntnisse palliativer Praxis immer noch wenig verbreitet, da die professionellen Helfer weder in ihrer Grundausbildung noch im Studium auf diese Aufgaben ausreichend vorbereitet werden. In Altenpflegeheimen, der häuslichen Pflege und im Akutkrankenhaus kommt betagten Menschen zu wenig palliative Hilfe zugute. Gerade wenn sie pflegebedürftig sind, beginnt die palliative Praxis nicht erst in der Sterbensphase, sondern ist oft viel eher sinnvoll. Die wachsende Zahl dementiell Erkrankter stellt besondere Herausforderungen an ihre Begleiter.

Unheilbar kranke Menschen benötigen in der Regel eine qualifizierte, ganzheitliche und lindernde Versorgung am Lebensende. Damit haben die Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg Erfahrungen. Mit Hospiz, Kinderhospiz, ambulanten Hospizdiensten, Trauerinstitut, SAPV-Netzwerken für Erwachsene und Kinder sowie zwei Kliniken für Palliativmedizin und einer ambulanten Ethikberatung. Und seit einem Jahr auch mit der Palliativ- und Hospizakademie an der Stresemannstraße 4.
Ein Baustein im Palliative Care, dem Fachausdruck für Palliativversorgung. Diese beinhaltet ein ganzheitliches Betreuungskonzept für Patienten, die sich im fortgeschrittenen Stadium einer Erkrankung befinden, die progredient und irreversibel zum Tode führt. Dies erfordert einen symptomorientierte, individuellen Ansatz sowie die Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer.
Ziel der Bildungsangebote ist das Erlernen bzw. die Wiederbelebung einer inneren Haltung gegenüber dem Sterbenden, dessen Autonomie es zu stützen gilt, gemeinsam mit seinen Angehörigen. „Im Umgang mit Sterbenden ist viel neues Wissen entstanden. Die Kompetenz, die wir in all den Jahren entwickelt haben, bieten wir in Aus-, Fort- und Weiterbildungen internen wie externen Experten an“, sagt Tabea Friedersdorf, die den Hospizbereich in den Pfeifferschen Stiftungen leitet und damit auch für die Palliativ- und Hospizakademie in Magdeburg zuständig ist. Die wiederum profitiert von der Nähe zur täglichen Praxis. „Wir geben unser Wissen weiter, um reflektiert arbeiten zu können. Wir haben palliative Netzwerke aufgebaut, mit exzellenten Kooperationspartnern. Und eine hohe Kompetenz erworben, die wir in Kursen bündeln. Da stehen sozial-kommunikative, psychologische, körperliche, spirituelle, kulturelle und ethische Aspekte im Vordergrund.“
Die Stiftungen sind mit ihren Bildungsangeboten breit aufgestellt. Tabea Friedersdorf nennt die drei Standbeine: Die Aus-, Fort- und Weiterbildungslehrgänge an der Palliativ- und Hospizakademie, die Kurse im gesellschaftlichen Bereich wie zum Beispiel in der Letzten Hilfe für Angehörige Schwerstkranker und Schulungen vor Ort, etwa in Altersheimen.

„Die Palliativ- und Hospizakademie ist noch am Anfang. Im ersten Jahr haben wir uns auf auf die Grundbausteine der palliativen Pflege mit Kursen über 40 und 160 Stunden konzentriert. Nun soll es weitergehen mit palliativ-medizinischen Angeboten und noch mehr Kommunikation“, so Tabea Friedersdorf. Qualität habe oberste Priorität.
Das Haus arbeitet nach den interdisziplinären Curricula Palliativ Care. Die hohen Anforderungen, die an den Fachbereich gestellt werden, verlangen eine spezifische Weiterbildung auf der Basis einer qualifizierten Berufsausbildung. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV) haben Curricula entwickelt bzw. waren an der Entwicklung beteiligt. Diese Curricula entsprechen den gesetzlichen Anforderungen der ambulanten und stationären Hospizarbeit und Palliativmedizin (§§ 39 a I S.4, II S.6, 132d i.V.m. §37b SGB V). 

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