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Selbstbestimmt bis in den Tod – Erster Fachtag der Palliativ- und Hospizakademie

In schwerer Krankheit gut versorgt werden, in vertrauter Umgebung den Lebensweg vollenden – diesen Wunsch kann die Hospiz- und Palliativversorgung heute oft erfüllen. Für Menschen mit komplexen geistigen Behinderungen ist ein würdevoller Beistand bis in den Tod jedoch längst noch keine Selbstverständlichkeit.

Mit dem Bundesteilhabegesetz, das in vier Stufen von 2017 bis 2023 in Kraft tritt, vollzieht sich allerdings ein Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe: weg von der reinen Fürsorge, hin zu einer selbstbestimmten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.

Damit gibt es die Pflicht, diese Menschen auch in der Zeit ihres Sterbens angemessen und umfassend zu begleiten. Zu diesem Thema fand am 27. August der 1. Fachtag der Palliativ- und Hospizakademie der Pfeifferschen Stiftungen  statt.

Patientenwille zählt, ist jedoch schwer zu ermitteln

Unter dem Motto „Leben und Sterben – So wie ich bin – Da wo ich lebe“ waren namhafte Referenten und rund 50 Teilnehmer aus ganz Deutschland in die Samariterkirche auf dem Stiftungsgelände in Magdeburg-Cracau gekommen.

Darunter Dr. Helga Schlichting, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Leipzig und anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Schmerzerkennung, Schmerzerfassung und Schmerzbekämpfung bei Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen.

Zudem Ingrid Alsleben, die als Rechtsanwältin in Gifhorn – nach langer aktiver Zeit im Hospiz- und Palliativbereich – Patientenverfügungen mit schwerstbehinderten Menschen erstellt, und Dr. Johannes Reisch, Facharzt für Psychotherapie und Palliativmedizin, der am Beispiel einer von ihm begleiteten, von Geburt an geistig und körperlich schwerstbehinderten jungen Frau schilderte, wie sich der Patientenwille ganz praktisch ermitteln lässt.

Natalie Siehr vom Verein Zukunftssicherung Berlin e. V. zeigte schließlich Möglichkeiten auf, wie Sterbebegleitung bis zum Tod in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen umgesetzt werden kann.

Dr. Sabine Lindquist als Fachärztin für Neurologie und Sozialmedizin und Chefärztin im Medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) der Pfeifferschen Stiftungen, das am 6. November seine Eröffnung feiert, und Axel Gutsche als Bereichsleiter „Wohnen + Assistenz“ der Pfeifferschen Stiftungen stellten ihre Arbeit sehr anschaulich und nachvollziehbar vor.

Erster Aufbaukurs für Ehrenamtliche in Sachsen-Anhalt

„Klar geworden ist, dass auch Menschen mit komplexen geistigen Beeinträchtigungen ihren eigenen Tod sterben und demzufolge in ihren eigenen Bedürfnissen erkannt und auch ernst genommen werden müssen“,

sagt Dorothea Schnee, Leiterin der Palliativ- und Hospizakademie.

Zu diesem Themenkomplex gebe es auf allen Seiten noch große Unsicherheiten. Um noch mehr fachliche Sicherheit zu vermitteln, bietet die Akademie ab März 2020 eine spezielle Palliativweiterbildung für Mitarbeitende in der Behinderten- und Eingliederungshilfe  an. „Die Weiterbildung ist multiprofessionell angelegt und von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zertifiziert“, so Schnee.

Zusätzlich werde es einen Aufbaukurs für ehrenamtliche Hospizkollegen geben, die sich in der Begleitung sterbender Menschen mit komplexer geistiger Behinderung qualifizieren möchten. Es ist das erste Angebot dieser Art in Sachsen-Anhalt.

Der Fachtag bildet den Auftakt zu einer neuen Veranstaltungsreihe der Palliativ- und Hospizakademie, die weitergeführt wird mit Themen zur palliativen Situation sterbender Kinder und ihrer Angehörigen, gefolgt von einem Fachtag zur palliativen Situation von Menschen mit dementiellen Erkrankungen im kommenden Jahr.

„Dieser Tag war ein Anfang zur weiteren professionellen und menschlichen Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Tod in der Mitte unserer Gesellschaft, denn genau dort hat das Thema seinen Platz“,

resümiert Dorothea Schnee.

Ansprechpartnerin
Dorothea Schnee
Leiterin der Palliativ- und Hospizakademie Magdeburg
Telefon: (0391) 8505 897
E-Mail: palliativakademie(at)pfeiffersche-stiftungen.org
Web: www.palliativakademie-magdeburg.de 

Dr. Helga Schlichting referiert in der Samariterkirche Magdeburg
Dr. Helga Schlichting ist Expertin für die Schmerzerfassung bei Menschen mit geistigen Behinderungen
Dr. Helga Schlichting referiert in der Samariterkirche Magdeburg
Dorothea Schnee leitet die Palliativ- und Hospizakademie Magdeburg

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Nancy Thiede
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