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Wenn die Körperpumpe versagt

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Welt-Herz-Tag: Starke Schmerzen in der Brust, Übelkeit, Rückenschmerzen oder Ziehen im Arm können Signale für einen Herzinfarkt sein 

„Das Herz schlägt mir bis zum Hals!“ Oder: „Mir rutscht das Herz in die Hose.“ Redewendungen, die wir alle kennen. Wir tun etwas leichten Herzens oder etwas liegt uns am Herzen, wir verlieren unser Herz oder es bricht uns, und manchmal tragen wir es auf der Zunge. Im Herzen unserer Kultur begegnet man dem Herzen selbst – und stößt auf die Geschichte eines Organs, das seit jeher eine zentrale Rolle im Selbstverständnis des Menschen spielt. Das Herz ist das menschliche Organ, dem die größte symbolische Bedeutung zukommt. Aber die moderne Medizin betrachtet das Herz schlichtweg als „Pumpe“, zugegeben eine brillante Pumpe.  

„Der Herzmuskel sorgt dafür, dass das Blut in alle Körperregionen gelangt.

Eine unglaubliche Leistung, mit der kein anderer Motor so schnell mithalten kann. Das Herz schlägt etwa 100.000 Mal am Tag, mehr als 26 Mil- lionen Mal im Jahr. Und pumpt Millionen Liter Blut in das mehr als 120.000 Kilometer lange Netz aus Venen, Kapillaren und Schlagadern, versorgt unseren Körper so mit Sauerstoff, Hormonen und Nährstoffen“, sagt Dr. Jochen Molling, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie und zugleich Chefarzt der Klinik für Innere Medizin  am Klinikum in den Pfeifferschen Stiftungen. 

Ein durchschnittliches Herz hat etwa die Größe einer Faust und wiegt rund 300 Gramm. 

70 bis 80 Mal je Minute schlägt es im Ruhezustand. Geschützt vor Stößen und Verletzungen, sitzt das Herz etwas links von der Körpermitte direkt hinter dem Brustbein und den Rippen. Das Herz ist unser wichtigster Muskel. Umso schlimmer ist es für unseren Körper, wenn das Herz krank wird und an Leistungsfähigkeit verliert. Eine Todesfalle: In Deutschland sterben jedes Jahr mehr als 50.000 Menschen am Herzinfarkt. Die meisten in Sachsen-Anhalt, laut Statistik von 2016 im Schnitt 102 auf 100.000 Einwohner. Experten sehen einen Grund auch in der Hemmschwelle, den Notarzt zu alarmieren. Wir wollen unser Herz schützen – und doch denken wir im Alltag selten daran, weil unser zentrales Organ im Idealfall im Stillen funktioniert. Gefahren wie hoher Blutdruck, Stress oder Diabetes können dem Herzen erheblich schaden und es krank machen, ohne dass wir davon etwas spüren. Ein beunruhigender Gedanke. Woran  erkennen wir rechtzeitig, dass das Herz in Gefahr ist? Mit dem Welt-Herz-Tag am 29. September werden Menschen rund um den Globus sensibilisiert, dass Herzinfarkt und Schlaganfall mit weltweit über 17 Millionen jährlich sterbenden Menschen zu den häufigsten Todesursachen zählen. „Die meisten Todesfälle könnten durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden“, so Dr. Molling. Altersunabhängige Hauptrisikofaktoren für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße sind Nikotin-Konsum, Diabetes (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck, Erbbelastung (früh auftretende Herzkreislauferkrankungen wie Infarkt oder Schlaganfall bei nahen Blutsverwandten) sowie Störung des Fettstoffwechsels. Einige dieser Risikofaktoren verstärken sich bei Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel. Auch bei übermäßigem Alkoholkonsum steigt das Risiko von Herzinfarkten und anderen schweren Erkrankungen. 

Das Rauchen ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt. 


Dr. Molling: „Das Rauchen ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt. Durch Rauchentwöhnung kann das Risiko um bis zu 50 Prozent verringert werden. Die Wirkung einer zielgerichteten Ernährungsumstellung geht über die reine Senkung des Cholesterinspiegels hinaus. Etwa mit  mediterraner Kost: eine kaloriengerechte, ballaststoffreiche und fettarme Nahrung, reich an ungesättigten und Omega-3-Fettsäuren.“
Bei Beschwerden im Brustkorb und angrenzenden Körperteilen denken nur wenige Menschen an ihr Herz. „Betroffene schieben solche Probleme oft auf andere Organe – und laufen damit Gefahr, einen Herzinfarkt zu ignorieren“, so Dr. Molling. Der Kardiologe warnt eindringlich davor, eigene Deutungen von Problemen wie Brennen, Schmerzen oder Druck rund um die Brust vorzunehmen.
Je nach Lokalisation des Infarkts im Herzen – zum Beispiel Vorderwand- oder Hinterwandinfarkt –, aber auch in Abhängigkeit vom Geschlecht können die Infarktsymptome variieren. Der oft als typisch beschriebene heftige Brustschmerz mit Ausstrahlung in den Arm kann auch ganz fehlen. Manche Infarkte verursachen nur geringe oder gar keine Krankheitszeichen, Mediziner sprechen dann von „stummen“ Infarkten.  

Bei Herzinfarkt besteht Lebensgefahr!

Apropos Notruf 112: Wie lange sollte man bei unspezifischen Beschwerden und Verdacht auf Herzinfarkt warten, bevor man den Notarzt ruft? „Gar nicht. Eine solche Vermutung besteht immer, wenn eine Person in mittlerem bis hohem Erwachsenenalter plötzlich starke Schmerzen im Brustbereich verspürt, zusammenbricht oder sonstige Zeichen eines Kreislaufkollapses zeigt.“  Und was passiert, wenn man den Rettungsdienst alarmiert hat, sich später aber der Verdacht auf einen Herzinfarkt gar nicht bestätigt? Dr. Molling: „Wer aufgrund von Anzeichen auf eine akute schwere Gesundheitsstörung bei einem Mitmenschen den Rettungsdienst alarmiert, hat auch im Falle, dass sich der Verdacht nicht bestätigt, mit keinerlei negativen Konsequenzen zu rechnen. Dies ist auch kein Grund, das nächste Mal damit abzuwarten – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Alarm schlagen.“