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Bewegung hält Gefäße fit - Wenn Stau auf der Blutautobahn ist

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Wenn Mediziner von „Gefäßen“ reden, meinen sie in der Regel Blutgefäße – also Arterien, die das frisch mit Sauerstoff angereicherte Blut vom Herzen weg, und Venen, die das sauerstoffarme Blut zum Herzen hin leiten. Gefährlich wird es bei einem Stau auf der Blutautobahn, dann verengen sich oder verstopfen Blutgefäße. Schlaganfall, Herzinfarkt, Raucherbein: Wie Durchblutungsstörungen vorgebeugt werden kann, erklärt Dr. Torsten Kohlstock, Chefarzt der Gefäßchirurgie des Klinikums in den Pfeifferschen Stiftungen. 

Herr Dr. Kohlstock, wie muss ich leben, damit ich nicht bei Ihnen lande?
Sich bewegen, gesund ernähren, nicht rauchen, mäßig Alkohol trinken. Zu uns kommen in der Regel Patienten mit vier Risikofaktoren: Raucher, Diabetiker, Patienten mit Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck. Wenn es in der Familie eine Veranlagung zu Gefäßveränderungen gibt, haben Sie auch ein erhöhtes Risiko. 
Wer ist denn Ihr typischer Patient? 
Männlich, 75 Jahre alt. Patienten mit Durchblutungsstörungen in den Schlagadern, hauptsächlich im Becken und in den Beinen. Mehr Männer als Frauen, weil Frauen bis zu den Wechseljahren durch die Hormone geschützt sind und Männer weniger zur Vorsorge gehen. 
Nimmt die Zahl der Betroffenen zu?
Ja. Je älter, desto gefährdeter: Gefäßerkrankungen sind auf dem Vormarsch. Das liegt daran, dass immer mehr Menschen länger leben. Dazu kommt, dass Diabetes oder Bluthochdruck, die Gefäßerkrankungen hervorrufen, immens ansteigen. 
Wie entsteht überhaupt eine Durchblutungsstörung?
Bei den meisten Patienten ist die altersbedingte Arteriosklerose, also die Gefäßverkalkung, Ursache. Aber auch Rauchen erhöht das Risiko für die PAVK, genau wie andere typische Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen. Ebenso Diabetes, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Bewegungsmangel. 
PAVK?
Das sind periphere arterielle Verschlusskrankheiten. Die kompliziert klingende Bezeichnung ist der medizinische Sammelbegriff für Verengungen oder Verschlüsse der extremitätenversorgenden Blutgefäße. 
Welche Anzeichen deuten auf Gefäßverkalkung hin?
Die ersten Gefäßveränderungen beginnen schon vor dem 30. Lebensjahr. Da sind es noch keine Verkalkungen, sondern Vorstufen. Über die Jahrzehnte entwickelt sich daraus Kalk, der zunimmt und irgendwann das Gefäß so einengt, dass es den Blutfluss beeinträchtigt. Erst bei etwa 70 Prozent merken die meisten etwas. Viele Patienten mit Durchblutungsstörungen aber haben nie Beschwerden. Und wenn die Schmerzen dann eintreten... Beginnen leichte Beschwerden in Waden, Gesäß und Oberschenkeln bei Belastungen wie Laufen oder Treppe steigen, in schwereren Stadien gefolgt von Schmerzen auch in Ruhe, die selbst das Liegen zur Qual machen. Die Patienten müssen beim Gehen wegen der Schmerzen im Bein stehenbleiben – die Schaufensterkrankheit. Klingt harmlos, ist aber eine sehr ernstzunehmende Krankheit. Übrigens: Im Stehen erholt sich der Muskel und wird wieder mit Sauerstoff versorgt.
Was macht der Arzt bei entsprechenden Beschwerden?
Sind noch keine Vorerkrankungen bekannt, wird er zunächst klären, ob ein erhöhtes Risiko für eine Durchblutungsstörung besteht, und die Blutwerte bestimmen. Anschließend wird er eine gezielte Blutdruckmessung und das Tasten des Pulses an den Beinen durchführen. Lässt sich der Puls nicht tasten, kann dies auf einen Arterienverschluss hindeuten. Besteht ein begründeter Verdacht, müssen Ort und Ausmaß der Gefäßverengung beziehungsweise des -verschlusses bestimmt werden. Dazu sind weitere Untersuchungen durch Angiologen oder Gefäßchirurgen notwendig. Mit einem Ultraschallgerät etwa wird der Blutdruck am Knöchel gemessen und mit dem Blutdruckwert an den Armen verglichen. So können wir in wenigen Minuten eine Durchblutungsstörung in den Bein- und Beckenarterien feststellen. 
Wann sollte behandelt werden?
Das hängt vom individuellen Fall ab. Es ist ein Unterschied, ob Sie eine Verkalkung in der Oberschenkelschlagader oder der Herzkranzgefäße und der Halsschlagader haben, weil das versorgte Organ unterschiedlich wichtig ist. Eine verkalkte Halsschlagader würde man auch vorbeugend behandeln, weil sonst ein Schlaganfall droht. Neben einer Basisbehandlung mit Medikamenten wird im individuellen Fall dann eine Katheter- oder auch operative Behandlung erforderlich sein. Welches Vorgehen gewählt wird, hängt von den Symptomen und den vorliegenden Gefäßveränderungen ab.
Wie läuft so ein Kathetereingriff ab?
Der Patient wird örtlich in der Leiste betäubt. Mit einer Nadel wird die Schlagader punktiert, dann führen wir einen Draht ein, nehmen die Nadel wieder raus und führen eine Schleuse, ein kleines Plastikschläuchlein, ein, über die wir dann die erforderlichen Drähte, Ballons oder Stents einbringen können. Mit dem Draht muss dann die betroffene, verengte oder verschlossenen Gefäßstrecke überwunden werden. Wenn das klappt, wird ein Ballon über den liegenden Draht eingebracht, mit dem die verkalkte Stelle aufgeweitet wird. Der Kalk wird praktisch nach außen weggedrückt, so dass das Lumen wieder durchgängig ist. Wenn das nicht ausreicht, müssen wir häufig zusätzlich einen Stent einsetzen. Das ist ein kleines Metallgitterröhrchen, dass das Gefäß offen hält. 
Was sind die Vorteile eines solchen Eingriffs? 
Es ist im Vergleich zu einer Operation ein schonendes Verfahren, weil wir keine Vollnarkose brauchen und keine Wunden entstehen. Natürlich gibt es auch hier Risiken, die im Vorfeld ausführlich besprochen werden..  In der Regel wird eine solche Katheterbehandlung gut toleriert und der Patient kann am nächsten Tag wieder das Krankenhaus verlassen. 

Kontakt

Dr. med. Torsten Kohlstock

Chefarzt

Dr. med. Torsten Kohlstock

Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, spezielle Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie

Telefon
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