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© Peter Maszlen / fotolia

29 Prozent der Bürger pflegen Angehörige zu Hause

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Düsseldorf (epd). In Nordrhein-Westfalen pflegen einer aktuellen Umfrage zufolge so viele Menschen einen Angehörigen zu Hause wie in keinem anderen Bundesland. 29 Prozent der Befragten in einer Forsa-Umfrage, deren Ergebnisse die Techniker Krankenkasse (TK) am 6. Dezember in Düsseldorf veröffentlichte, gaben an, sich um einen pflegebedürftigen Verwandten im selben Haushalt zu kümmern. Der Bundesdurchschnitt lag bei 20 Prozent. 

Der Umfrage zufolge kümmerten sich deutschlandweit 26 Prozent der Befragten mehrfach die Woche um einen pflegebedürftigen Verwandten, der aber nicht im ihrem Haushalt lebt. 30 Prozent gaben an, mit dem Thema Pflege in den vergangenen fünf Jahren keinerlei Berührung gehabt zu haben. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte im Auftrag der Krankenkasse bundesweit 1.001 Menschen, davon 217 in Nordrhein-Westfalen.
Für die pflegenden Angehörigen könne die Tätigkeit eine erfüllende Aufgabe sein, andererseits werde sie aber auch als schwere Belastung empfunden, sagte Günter von Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung NRW. "Wichtig ist, sich aktiv über Unterstützungsmöglichkeiten durch die Pflegeversicherung zu informieren." Dazu gehören etwa die Kurzzeit- und Verhinderungspflege. 

Quelle: epd-sozial, Ausgabe 49/2016 - 09.12.2016

 

 

 

Paradigmenwechsel in der Betreuung

Das Pflegestärkungsgesetz definiert neu, wer Pflege braucht, und legt ein neues Begutachtungsverfahren fest. Demente Patienten und psychisch Kranke werden nun auch versorgt. Generell ist das Ziel, mehr ambulant vor stationär, mehr ortsnahe Versorgung. Ansprechpartner in den Pfeifferschen Stiftungen.

Seit dem 1. Januar 2017 gilt das Pflegestärkungsgesetz II, das die Einstufung der Pflegebedürftigkeit Millionen Kranker komplett verändert. Statt der drei Pflegestufen gibt es nun fünf Pflegegrade. Nur wer nicht mehr ohne Hilfe allein leben kann, gilt als pflegebedürftig. Erstmals erhalten alle Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen oder psychischen Einschränkungen betroffen sind. Somit jetzt auch demente Patienten und psychisch Kranke. Zudem werden die mobilen Pflegedienste gestärkt, die in Sachsen-Anhalt bei der letzten Erhebung 2013 zirka 23.000 Patienten versorgten. Deutschlands 2,7 Millionen Pflegebedürftige sind automatisch in einen der neuen Pflegegrade übergeleitet worden: Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen von ihrer Pflegestufe in den nächst höheren Pflegegrad; Menschen mit dauerhafter erheblicher Einschränkung der Alltagskompetenz in den übernächsten Pflegegrad. Alle, die bereits in den Genuss von Pflegeleistungen kamen, erhalten diese also mindestens in gleichem Umfang weiter. Und: Hilfe wird jetzt eher geleistet. So werden in Pflegegrad 1 Menschen eingestuft, die noch keinen erheblichen Unterstützungsbedarf haben, aber etwa eine Pflegeberatung, eine Anpassung des Wohnumfeldes oder Leistungen der allgemeinen Betreuung benötigen.  

Die Leistungsansprüche der Pflegegrade:

► Pflegegrad 1

Geldleistung ambulant: 125 Euro Sachleistung ambulant: - Leistungsbetrag stationär: 125 Euro 

► Pflegegrad 2

Geldleistung ambulant: 316 Euro Sachleistung ambulant: 689 Euro Leistungsbetrag stationär: 770 Euro  

► Pflegegrad 3

Geldleistung ambulant: 545 Euro Sachleistung ambulant: 1289 Euro Leistungsbetrag stationär: 1262 Euro  

► Pflegegrad 4

Geldleistung ambulant: 728 Euro Sachleistung ambulant: 1612 Euro Leistungsbetrag stationär: 1775 Euro  

► Pflegegrad 5

Geldleistung ambulant: 901 Euro Sachleistung ambulant: 1925 Euro Leistungsbetrag stationär: 2005 Euro.  

Einen Rollator für den Vater, der unsicher beim Gehen geworden ist, oder eine Hilfe im Haushalt für die gebrechlichen Eltern? Vor solchen Problemen stehen viele Menschen, deren Angehörige Hilfe brauchen. Wer kann helfen und wie viel Zuschuss bekommt man dafür von den Pflegekassen? Fragen dazu beantworten neben Patientenverbänden und den Krankenkassen unabhängige Pflegestützpunkte.

Die Pflege kehrt zu den Gemeinden und Kreisen zurück.


Der dritte Baustein der Pflegereform ist im Entwurf des Pflegestärkungsgesetzes III definiert: Die Pflege kehrt zu den Gemeinden und Kreisen zurück. Die Kommunen können die Initiative für neue Pflegestützpunkte ergreifen. Bislang organisieren das die Kranken- und Pflegekassen. Im Kern geht es um den Ausbau wohnortnaher Beratungs- und Fallmanagement-Strukturen, die Schaffung eines breiten Spektrums altersgerechter Wohnformen, eine aufeinander abgestimmte ambulante und stationäre pflegerische Versorgung und die Ergänzung der staatlichen Leistungen um Geld- und Sachleistungen der Kommunen. Das Ziel: So lange wie möglich den Verbleib in der vertrauten häuslichen und familiären Umgebung zu unterstützen und ein selbstbestimmtes Leben zu gewährleisten.
„Selbstbestimmt leben heißt, nach eigenen Vorstellungen sein Leben zu gestalten, eigenen Interessen nachzugehen und dabei eine größtmögliche Unabhängigkeit zu erlangen oder zu erhalten. Die Entscheidungsgewalt liegt dabei in den Händen des Einzelnen”, so Steffi Ginap, Bereichsleitung Ambulante Dienste bei Pfeiffers. Helfende sollten sich dabei von dem Grundsatz leiten lassen: „Hilf dem Menschen, es selbst zu tun!“ Ganz wichtig: „Sage du mir, was ich für dich tun soll!”  

Zwei Millionen Menschen werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Trotz Mehrbelastungen nehmen relativ wenige zusätzliche Hilfe in Anspruch. Experten fordern mehr individuelle Beratungen.

► Pfeiffers bietet Ratgeber-Gespräche an. 

Leistungen wie der Pflegedienst, die Tages-, Kurz- oder Verhinderungspflege seien zwar der Mehrheit der Pflegenden bekannt, würden aber zu wenig genutzt, obwohl diese dort eigentlich benötigt würden, heißt es im AOK-Pflege-Report 2016. Dabei sei unter den Nutzern der zusätzlichen Angebote die Zufriedenheit hoch.
Steffi Ginap von den Pfeifferschen Stiftungen sagt:  „Hilfsangebote sollten nicht als ein Zeichen der Schwäche verstanden werden...”

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