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Pflegefall in der Familie: Das sollten Angehörige wissen

Ich bin pflegebedürftig, was ändert sich durch das neue Gesetz für mich? Wichtig ist es, wie selbstständig der Versicherte noch ist – das heißt, ob er oder sie auf die Unterstützung von anderen angewiesen ist. Jetzt fällt auch das Zählen von Minuten, die zur Pflege nötig sind, durch den Gutachter weg.  

Wie läuft die Begutachtung jetzt ab? Das Maß für die Einschätzung von Pflegebedürftigkeit ist der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen – also wie selbstständig er ohne Hilfe von anderen sein Leben führen kann. Sechs Lebensbereiche sind dabei von Bedeutung:

► Mobilität,

► kognitive und kommunikative Fähigkeiten,

► Verhaltensweisen und psychische Problemlagen,

► Selbstversorgung,

► Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Belastungen sowie

► soziale Kontakte.  

In jedem Bereich werden je nach Stärke der Beeinträchtigung Punkte vergeben, die am Ende zusammengezählt werden. Die Gesamtpunktzahl entscheidet über den Pflegegrad.

Wer gilt als pflegebedürftig? Da müssen wir ganz kurz technisch werden: Pflegebedürftig sind laut Sozialgesetzbuch Menschen, die „wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem Umfang oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.” (SGB XI, § 14)

Wer hat Anspruch auf Pflegezeit? Nur nahe Angehörige. Dazu zählen Ehepartner, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft, Großeltern, Eltern, Geschwister, Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder, Enkelkinder, Schwiegereltern und Schwiegerkinder.  

Welche Leistungen gibt es genau? Pflegebedürftige haben die Wahl zwischen Sachleistungen, also der Hilfe von Pflegediensten, oder finanziellen Leistungen (Pflegegeld), wenn sie von Angehörigen zu Hause gepflegt werden. Wie hoch genau die Leistungen sind, hängt vom Pflegegrad ab. Der Pflegebedürftige kann die Leistungen auch kombinieren, also etwa einmal am Tag einen Pflegedienst in Anspruch nehmen und sich in der restlichen Zeit vom Angehörigen pflegen lassen und dafür Pflegegeld beantragen.  

Wurde aus Pflegestufe 0 automatisch Pflegegrad 1? Nein. Pflegegrad 1 kommt neu hinzu. Er steht Versicherten zu, die im geringen Maß körperlich eingeschränkt sind. Die Leistungen sind dafür gedacht, dass ein Mensch noch möglichst lange zu Hause wohnen kann. Zu den Leistungen gehören eine Pflegeberatung in den eigenen vier Wänden, Hilfsmittel zur Pflege, sowie Zuschüsse für den barrierefreien Umbau der Wohnung (4000 Euro pro Maßnahme) und das Wohnen in einer betreuten Wohngruppe (205 Euro monatlich). Wählt der Versicherte doch das Heim, steht ihm in Pflegegrad 1 ein Zuschuss von 125 Euro zu. 

 

 

© Ocskay Bence / fotolia

Was ist Kurzzeitpflege? Das bedeutet, dass ein Pflegebedürftiger für einige Tage oder Wochen  in einem Pflegeheim betreut wird. Etwa, wenn er aus dem Krankenhaus entlassen wird, aber noch nicht in seine Wohnung kann, weil sie umgebaut werden muss. Oder wenn ein pflegender Angehöriger Urlaub macht. Die Pflegekasse bezuschusst die Kurzzeitpflege mit bis zu 1612 Euro im Jahr. Der Anspruch besteht für vier Wochen. Bisher bekamen nur Pflegebedürftige mit Pflegestufe Kurzzeitpflege bezahlt. Jetzt steht sie auch Demenzkranken zu. Bei der Verhinderungspflege kann sich ein pflegender Angehöriger etwa für einige Stunden in der Woche eine Auszeit nehmen und eine Ersatz-Pflegeperson suchen. Pro Jahr besteht ein Anspruch auf maximal vier Wochen.  

Was ist Tages- und Nachtpflege? Die Tages- und Nachtpflege ist eine teilstationäre Versorgung. Der Pflegebedürftige verbringt tagsüber oder nachts einige Stunden in einer spezialisierten Einrichtung. Etwa, wenn Angehörige berufstätig sind, sich tagsüber nicht um den Pflegebedürftigen kümmern können. Oder wenn der Pflegebedarf so hoch ist... Die Nachtpflege richtet sich vor allem an Demenzkranke, die nachts aktiv sind. Welche Einrichtungen Tages- und  Nachtpflege anbieten, wissen die Pflegekassen. 

Was passiert, wenn mein Angehöriger länger gepflegt werden muss? Arbeitnehmer können sechs Monate aus dem Job aussteigen, um sich um einen kranken Angehörigen zu kümmern. Dabei handelt es sich um eine unbezahlte, sozialversicherte Freistellung. Das gilt allerdings nicht für Mitarbeiter von Kleinstbetrieben: Der Anspruch besteht nur gegenüber Arbeitgebern mit mehr als 15 Beschäftigten. Der Arbeitnehmer kann sich auch teilweise freistellen lassen - der Arbeitgeber kann dies nur aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen. Achtung: Die Pflegezeit muss dem Arbeitgeber mindestens zehn Tage im Voraus angekündigt werden.  

Was ändert sich in der ambulanten Pflege? Jeder ambulante Pflegedienst hat neben körperbezogenen Pflegemaßnahmen und Hilfen bei der Haushaltsführung auch pflegerische Betreuungsmaßnahmen anzubieten. Der Pflegedienst kann hier auch mit anderen zugelassenen Anbietern zusammenarbeiten. Das Leistungsspektrum der Pflegedienste wird sich also erweitern.  

Was ist etwa mit den zusätzlichen Betreuungsleistungen? Bisherige Leistungen der Pflegeversicherung wie das Recht auf Pflegeberatung, Zuschüsse für barrierefreien Umbau oder Hilfsmittel für die Pflege gibt es weiter. Für vier Wochen Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung oder die Ersatzpflege bei der Vertretung des pflegenden Angehörigen sind das 1612 Euro im Jahr. Beide Leistungen können auch kombiniert werden. Statt der zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen von 104 Euro für alle Pflegebedürftigen und 208 Euro für Pflegebedürftige mit einer stark ausgeprägten Demenz gibt es einen einheitlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro. Etwa wenn ein Pflegedienst vorliest oder mit spazieren geht. Es kann auch für die Tagespflege, die Kurzzeitpflege und Betreuungsangebote verschiedener Dienste genutzt werden.

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