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Training für die Lunge

Mit 26 ist Marco Dübner noch jung. 2006 hat er nach seinem erweiterten Realschulabschluss in Schönebeck erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Altenpflegeheim absolviert. 2007 dann ist er in die Pfeifferschen Stiftungen gekommen. Da arbeitet auch sein Onkel, der ihm schon früh eine Grundeinstellung vermittelt hat, die ihm wichtig ist: „Nichts machen, was bedeutungslos ist. Also etwas Sinnstiftendes und nach Möglichkeit keine sitzende Tätigkeit.“ 
Eigentlich wollte Marco Dübner Physiotherapeut werden, aber bei einem Schulpraktikum vor vielen Jahren in der Lungenklinik Lostau empfahl ihm eine Stationsleiterin, Gesundheits- und Krankenpfleger zu lernen. Dort arbeitet er inzwischen auch, auf der interdisziplinären Intensivstation – in diesem Jobprofil. „Toll, eine Arbeit mit Menschen, die Patienten sind dankbar“, sagt er. Und: „Ich habe eine Berufsperspektive, finde immer und überall einen Job.“
Ja, wer Gesundheits- und Krankenpfleger ist, hat eine gute Grundlage für eine weitere Berufskarriere. Das weiß Marco Dübner zu schätzen, will er sich doch weiterentwickeln, Neues ausprobieren. Als er auf seiner Station in Lostau eine Ausschreibung für eine Qualifizierung zum Atmungstherapeut entdeckte, hat er sich beworben und den Zuschlag erhalten. Seit September macht er nun eine Weiterbildung zum Atmungstherapeut an der Zentralklinik Bad Berka in Thüringen, berufsbegleitend über zwei Jahre in vier Modulen.

Wer länger künstlich beatmet wird, kann danach zunächst nicht selbstständig atmen. Fingerdicke Schläuche verschwinden im Mund des Patienten, der zu schlafen scheint. Sein Brustkorb hebt und senkt sich regelmäßig. Die Beatmungsmaschine hält ihn am Leben. Seit Jahrzehnten gehören diese Geräte zum Standard jeder Intensivstation. Fast genauso lange fragen sich Ärzte, wie sie den Patienten nach überstandener Krise wieder zum selbstständigen Atmen verhelfen können.
Die Beatmung hinterlässt so tiefe Spuren, dass das Gerät nicht einfach abgeschaltet werden kann. Wenn Muskeln nicht mehr benutzt werden, verlieren sie an Umfang und Kraft. Zwischenrippenmuskeln und Zwerchfell, die das Atmen ermöglichen, sind deshalb nach längerer Beatmung zu schwach, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Dazu kommt bisweilen eine gestörte Atemsteuerung – ebenfalls ausgelöst durch die andauernde Beatmung. All das hindert schwer kranke Patienten daran, selbstständig zu atmen.

"Weaning" - eigenes Berufsbild


Das Loskommen von der Beatmungsmaschine nennen Ärzte „Weaning“, englisch für Entwöhnung. Es ist ein eigenes Berufsbild entstanden, um den Bedürfnissen der Entwöhnung gerecht zu werden. Der Bedarf an Atmungstherapeuten ist groß und wächst weiter, denn die hochspezialisierte lntensivmedizin und -pflege hat die Überlebenschancen der Patienten zunehmend verbessert. Zugleich nehmen aber chronische Erkrankungen der Atemwege zu, wie etwa die chronisch obstruktive Lungenkrankheit, kurz COPD. Haben betroffene Patienten ihre akute Krankheitssituation überstanden und können aus den Akutkrankenhäusern entlassen werden, brauchen sie oft eine Atemhilfe, denn in der Regel haben sie einen Luftröhrenschnitt, sind also auf ein Beatmungsgerät angewiesen. 

In Deutschland ist der Atmungstherapeut kein Ausbildungsberuf, sondern eine von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) entwickelte Weiterbildung. Erfahrene Pflegefachkräfte und Physiotherapeuten haben seit 2005 die Möglichkeit, sich innerhalb von knapp zwei Jahren berufsbegleitend zum Atmungstherapeuten ausbilden zu lassen. Zur umfassenden Versorgung pneumologischer Patienten ergibt sich die Notwendigkeit, ein Tätigkeitsprofil mit Schnittstellenfunktion zwischen dem ärztlichen Bereich, der Pflege, der Physiotherapie und der außerklinischen Beatmung zu besetzen.  

Nach den Vorgaben der DGP ist zur Weiterbildung zugelassen, wer eine abgeschlossene Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege, zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder zum Physiotherapeuten nachweisen kann sowie über eine mindestens zweijährige oder einjährige fachspezifische Berufspraxis verfügt. 

Drei Theorie-Blöcke bestimmen die Ausbildung, begleitet von diversen Praktika, die ebenso während der Weiterbildung absolviert werden müssen. Behandelt werden Grundthemen wie Anatomie, Physiologie und die Pathophysiologie von Lungen sowie Herz und Kreislauf. Ebenso diagnostische Verfahren wie die Lungenfunktionsmessung (Spirometrie), die Bronchoskopie, einzelne Bereiche der Sonografie und der Röntgendiagnostik. Zudem spezielle Fachthemen wie allgemeine Intensivmedizin, Beatmungsmedizin, außerklinische Beatmung und Rehabilitation.

Die Anstrengungen lohnen sich

Neben sämtlichen Prüfungen ist eine Facharbeit zu verteidigen, um die Weiterbildung erfolgreich abzuschließen. All dies bedeutet eine hohe Doppelbelastung, die neben den täglichen Schichtdiensten zu bewältigen ist. Klar, das weiß Marco Dübner, das merkt er natürlich auch. „Aber die Anstrengungen lohnen sich“, ist er sich sicher.
Ein Atmungstherapeut arbeitet weitgehend selbstständig unter der Supervision eines Facharztes. Er „übernimmt Aufgaben, die bislang teilweise den Ärzten oder im Pflegebereich der Physiotherapie oder der Ergotherapie vorbehalten waren. Raucherentwöhnung und Blutgasanalyse gehören ebenso dazu wie Beatmung und ambulante Patientenbetreuung“, erklärt Marco Dübner. 

Seit der Einführung dieser Qualifizierung 2005 üben bislang insgesamt mehr als 300 Atmungstherapeuten bundesweit die zertifizierte Tätigkeit aus. Sie schließen die Lücke zwischen Krankenpflege und ärztlichem Fachpersonal, entlasten vor allem Ärzte an spezialisierten Lungenzentren oder Intensivstationen. Eine hoch qualifizierte Tätigkeit, sehr attraktiv für den Arbeitsmarkt. All das reizt Marco Dübner.   

Kurzbeschreibung: Atmungstherapeut

 ► Die Tätigkeit im Überblick

Der Atmungstherapeut hat besondere Aufgaben, die auf der Physiologie und Pathophysiologie des respiratorischen Systems basieren, mit Tätigkeiten in der Pneumologie, Thoraxchirurgie, lntensivmedizin, Anästhesiologie, Physiotherapie, auf Allgemeinstationen; in Rehabilitationszentren, Pflegeheimen, in klinischen und/oder in ambulanten Einrichtungen sowie mit Koordinationsaufgaben von Medizin, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, technischer Assistenz und Sozialarbeit. Der Atmungstherapeut übernimmt unter anderem Tätigkeiten, die bisher Ärzten vorbehalten waren. Vor allem Ärzte in spezialisierten Lungenzentren sowie lntensiv- und lntermediate-Care-Stationen können und sollen so entlastet werden.

 ► Die Ausbildung im Überblick

ln Deutschland ist der Atmungstherapeut kein  Ausbildungsberuf, sondern kann als berufsbegleitende qualifizierende Weiterbildung von Pflegefachkräften und Physiotherapeuten absolviert werden. Die Weiterbildung in den von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V.  (DGP) zertifizierten Einrichtungen erstreckt sich über zwei Jahre und umfasst 720 Stunden: 280 Stunden Unterricht, 320 Stunden Praktika und 120 Stunden für Selbststudium, Facharbeit und Abschlussprüfung. Siehe Link: www.pneumologie.de

► Typische Einsatzorte

Atmungstherapeuten finden Beschäftigung in erster Linie 

•             auf Intensivstationen in Krankenhäusern,

•             in Lungenfachkliniken,

•             in Rehabilitationszentren,

•             in Altenwohn- und Pflegeheimen,

•             in Einrichtungen der Kurzzeitpflege und

•             bei ambulanten Pflegediensten.

 

► Lernziele

Am Ende der Weiterbildung soll ein Atmungstherapeut

•             das für die Versorgung von Patienten mit respiratorischen Erkrankungen („respiratory care“) erforderliche theoretische Basiswissen erworben haben. Er verfügt z. B. über Kenntnisse

→ der Pathophysiologie und Formen pneumologischer Erkrankungen,

→ kennt Verfahren und Assessment,

→ Instrumente zur Diagnostik und Beurteilung pneumologischer Erkrankungen,

→ versteht die Wirkungen und Wirkzusammenhänge der medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapien pneumologischer Erkrankungen,

→ kennt Präventionsmöglichkeiten im Hinblick auf Entstehung und Fortschreiten pneumologischer Erkrankungen,

→ kennt den Zusammenhang von pneumologischen und anderen Erkrankungen und

→ kennt die Basis wissenschaftlicher Betrachtungsweise

•             praktische Fertigkeiten in der Durchführung bestimmter diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen bei Patienten mit respiratorischen Erkrankungen besitzen

Er  ist z.B. in der Lage,

→ funktionsanalytische und Monitoring-Untersuchungen durchzuführen und in den Grundzügen zu interpretieren,
→ Inhalations - und Sauerstofftherapie, nichtinvasive und invasive Beatmung inklusive Weaning, Atemweg- und Sekretmanagement fachgerecht durchzuführen,
→ didaktische Prinzipien in der Patientenanleitung, -beratung und -schulung zielgerichtet und patientenorientiert anzuwenden;

•             seine beruflichen Kompetenzen im multiprofessionellem Team einzubringen, Patienten gegenüber Empathie zu zeigen und sie in ihrer Autonomie zu unterstützen.

Er ist z.B. fähig,

→ Patienten individuell zu informieren, zu beraten und anzuleiten
→ die Erkennung und Nutzung individueller Ressourcen zu unterstützen und auf die individuellen  Patientenbedürfnisse einzugehen
→ gesundheitsfördernde Lebensführung zu unterstützen
→ im interprofessionellen und multidisziplinären Team zu koordinieren
→ die eigene Handlungsstrategie zu analysieren und zu überprüfen.
 

► Voraussetzungen für die von der DGP zertifizierten Weiterbildungsangebote

•             Abgeschlossene Berufsausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger(in), Kinderkrankenpfleger(in), Altenpfleger(in) nach dem Altenpflegegesetz von 2003 oder Physiotherapeut(in).
•             Mindestens zweijährige praktische Berufserfahrung.               

 

 

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